Was ist Jiu-Jitsu?

Selbstverteidigung und Sport für jedermann

Jiu Jitsu ist eine moderne Selbstverteidigung für die Praxis des täglichen Lebens, optimal, leicht erlernbar und vielseitig anwendbar. Diese Form der Selbstverteidigung geht zurück auf die traditionellen Kampfkunstarten in Japan, China, Korea und Indien, es ist eine in Jahrhunderten gewachsene und entwickelte waffenlose Selbstverteidigung.

Elemente sind Karate, Judo, Aikido, Kempo sowie Techniken zur Abwehr von verschiedenen Waffen (Messer, Stock, Kette, Pistole auch andere Gegenstände). Eine wirkungsvolle Selbstverteidigung liegt in der Zusammenfassung der Elemente zu einem System. Jiu-Jitsu ist leicht erlernbar, prägt sich leicht ein und garantiert den optimalen Gebrauch der Selbstverteidigungstechniken. Die Selbstverteidigungskunst Jiu-Jitsu ist eben sehr effektiv, und ist deshalb ein dienstliches Pflichtfach bei der Bundespolizei.

Die Techniken sind in den einzelnen Prüfungsprogrammen für Schüler und Meistergrade nach Schwierigkeitsgraden geordnet. Ziel ist es jede Verteidigungstechnik, gegen mehrere Angriffsarten an zuwenden und es soll eine Automatisierung der Bewegungsabläufe zu automatischen Reflexen entwickelt werden. Elemente und Prinzipien des Jiu-Jitsu "Jiu" bedeutet nachgeben, ausweichen, anpassen oder auch sanft "Jitsu" bedeutet Kunst oder Kunstgriff Jiu-Jitsu ist also die Kunst, durch Nachgeben oder Ausweichen mit der Kraft des Angreifers zu siegen.

Alle Verteidigungstechniken können in harter oder weicher Form angewandt werden, aber immer nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Es geht nicht um Kraft oder Gewalt, sondern um gute Techniken, die es dem Schwächeren möglich machen, sich gegen einen oder mehrere stärkere Angreifer verteidigen zu können.

Ziel des Jiu-Jitsu ist es, einen Angreifer – ungeachtet dessen, ob er bewaffnet ist oder nicht – möglichst effizient unschädlich zu machen. Dies kann durch Schlag-, Tritt-, Stoß-, Wurf-, Hebel- und Würgetechniken geschehen, indem der Angreifer unter Kontrolle gebracht oder kampfunfähig gemacht wird. Dabei soll beim Jiu-Jitsu nicht Kraft gegen Kraft aufgewendet werden, sondern – nach dem Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ – so viel wie möglich der Kraft des Angreifers gegen ihn selbst verwendet werden.

Budo

Zeichen "Bu-do"
Budo wird als Oberbegriff für alle japanischen oder auch fernöstlichen Kampfkünste verwendet. Das Chinesisch-japanische BU ist der Krieger ; DO ist der Weg. BUDO ist der Weg des Kriegers und versinnbildlicht damit die Methoden des Kampfes. Unter dem Oberbegriff BUDO werden viele Kampfsportarten betrieben.

Die Budo-Charta (Budo-Kensho)

Die Budo-Charta, niedergelegt am 23. April 1987 durch die Japanische Budo-Vereinigung (Nippon Budo Shingikai), definiert den Begriff "Budo" und den Sinn der "Budo- Ausbildung". Dem zu diesem Zwecke gegründeten "Budo-Charta-Ausschuss" gehörten namhafte und offizielle Vertreter aus den folgenden Budo-Disziplinen an:
Judo, Kendo, Kyude, Sumo, Karatedu, Aikido, Shorinji Kempo, Naginata und Jukendo (Bajonettfechten).

Budo, verwurzelt im Geist der Krieger des alten Japan, ist ein Aspekt seiner traditionellen Kultur, in der sich in einer über Jahrhunderte dauernden historischen und sozialen Entwicklung die Kriegskünste vom jutsu zum do entwickelt haben. Der Grundidee folgend, nach der Geist und Technik eine Einheit sind, wurde Budo zu einer Form entwickelt und verfeinert, in der durch Disziplin, Ernsthaftigkeit, Etikette, Training von Technik und Körperkraft die Einheit von Geist und Körper angestrebt wird. Das moderne Japan hat diese Werte geerbt und sie spielen eine wesentliche Rolle bei der Bildung des japanischen Persönlichkeitscharakters. Im modernen Japan ist der Budo-Geist eine Quelle mächtiger Energie und trägt zur Befriedigung des Einzelnen bei. Heute ist Budo in der ganzen Weit verbreitet und genießt internationales Interesse. Verriarrtheit in eine ausschließlich technisch orientierte Ausbildung und ein Gewinnenwollen urn jeden Preis" sind jedoch Beispiele dafür, dass die Essenz von Budo bedroht ist. Um eine Pervertierung der Kunst zu verhindern, sind wir aufgefordert, uns fortwährend zu prüfen und uns zu bemühen, dieses nationale Erbe zu bewahren und zu vervollkommnen. In der Hoffnung, dass die grundlegenden Prinzipien des traditionellen Budo erhalten bleiben, wurde diese Budo-Charta verfasst. 

ARTIKEL 1: ZWECK
Der Zweck von Budo besteht darin, den Charakter zu kultivieren, die Fähigkeiten zur Beurteilung und Entscheidung zu erweitern und an der physischen und geistigen Ausbildung durch die Kampftechniken teilzunehmen. 

ARTIKEL 2: KEIKO

In der täglichen Übung muss man beständig den Regeln des Anstandes folgen, rnuss den Grundlagen treu bleiben und der Versuchung widerstehen, ein aus- schließlich an technischen Fähigkeiten orientiertes Training zu betreiben, an- statt die Einheit von Geist und Technik anzustreben. 

ARTIKEL 3: SHIAI
In einem Wettkampf und bei der Ausführung von Kata rnuss sich der Budo-Geist offenbaren. Strengen Sie sich auf das Äußerste an! Siegen Sie mit Bescheidenheit, nehmen Sie Niederlagen bereitwillig an und zeigen Sie stets eine angemessene Haltung!

ARTIKEL 4: DOJO
Das Dojo ist ein geheiligter Ort für die Ausbildung unseres Geistes und Körpers. Hier müssen Disziplin, richtige Etikette und Förmlichkeit herrschend Der Übungsort muss eine ruhige, reine, sichere und ernsthafte Atmosphäre bieten. 

ARTIKEL 5: UNTERRICHTEN
Um beim Unterrichten ein wirksamer Lehrer zu sein, rnuss ein Budo-Meister stets danach streben, den Charakter und die Fähigkeiten seiner Schülerinnen zu kulttivieren und die Beherrschung von Geist und Körper zu fördern. Er/ Sie sollte durch Gewinnen oder Verlieren nicht wankelmütig werden, keine Arroganz bei überlegener Fähigkeit zeigen, sondern stets eine Haltung zeigen, die als Vorbild geeignet ist. 

ARTIKEL 6: VERBREITUNG

Beim Verbreiten von Budo soll man den traditionellen Werten und dem Wesentlichen des Trainings folgen sowie das Äußerste dazu beitragen, um diese traditionellen Künste zu erforschen und zu erhalten, mit einem Verständnis für internationale Sichtweisen. 

Zur Entstehung der Budo-Charta

1. ALLGEMEINES
Um das Jahr 1981 konnte ein deutlich zunehmendes internationales Interesse an Budo registriert werden, das u.a. zur Gründung der "internationalen Budo-Universität" führte, um Menschen aus aller Weit die Gelegenheit zu bieten, Budo studieren zu können. Als eine Folge des internationalen Einflusses begann Budo wie ein Sport zu werden. Schul- Budo wurde durch Meisterschaften und ihre Förderung populärer. In dieser Zeit wertete die Japanische Budo-Vereinigung das wachsende nationale wie internationale Interesse an Budo als einen Ausdruck von traditioneller japanischer Kultur. Als Antwort auf diese Trends präsentierte Goro Yamanaka, ein Vertrauensmann der Japanischen Budo-Vereinigung, dem Vertrauensleute-Kornitee einen Vorschlag zur Gründung eines Ausschusses mit dem Arbeitstitel "Zur Begründung der Bedeutung von Budo". Dem Vorschlag wurde am 16. April 1981 zugestimmt. Der Auftrag des Ausschusses bestand darin, die Frage "Was ist Budo?" zu untersuchen und zu beantworten. Man stimmte darin überein zu klären, weiches die geistigen Eigenschaften sind, die durch Budo im Individuum entwickelt werden können und jedem der do innewohnen. Im nächsten Schritt sollte dann der Vergleich dieser grundsätzlichen Budo-Prinzipien mit anderen (internationalen) Sportarten geführt werden. 

2. VERFAHREN
Der Budo-Charta-Ausschuss wurde von dem Vertrauensleute-Komitee der Japanischen Budo-Vereinigung gegründet. Er traf sich zu mehr als zwanzig Diskussionssitzungen in der Zeit zwischen Juli 1981 und März 1984 mit den Vertretern der verschiedenen do. Jeder dieser Delegierten sprach seine Grundsätze und Ansichten zur Fragestellung aus. Während dieses Vorgehens wurden sowohl
Informationen über die Budoprinzipien gesammelt als auch gleichzeitig die Übereinstimmungen in den do festgestellt.
Vier Budo-Gelehrte unterstützten während dieser Treffen das Komitee durch Fachvorträge:
Eiichi Eriguchi hielt einen Vortrag über "Die Internationalisierung von Budo und daraus erwachsende Probleme",
Dr. Yoshio Irnamuta sprach über die "Veränderungen in der Bedeutung von Budo",
Katsumi Nishimura über "Veränderungen des Budo in der Schul-Erziehung"
und Shinichi Oimatsti über "Die grundlegende Bedeutung von Jigoro Kanos Judo (der Gründer des kodo-kan-Judo) und der
Zweck eines ernsthaften Trainings".
Im März 1983 veröffentlichte das Komitee eine zusätzliche Ausgabe des Journals "Berichte über modernes Budo", das den Stand der geleisteten Arbeit zusammenfasste. Währenddessen, man war bereits in der Vorbereitung zur Abfassung der Budo-Charta, arbeiteten die Mitglieder des Ausschusses mit Vertretern eines jeden do, um die Übereinstimmungen unter den do festzustellen. Anfang Mai 1982 wurde eine Serie von Artikeln unter dem Titel "Eine umfassende Erklärung zum modernen Budo" durch das Nippon Budokan" in seinem monatlichen Journal "Budo" veröffentlicht.
Zusätzlich wurden drei Unterausschüsse zu folgenden Thernenkreisen gegründet:
1. Der Ursprung und die Geschichte von Budo (Vorsitz Tatsuo Sairnura)
2. Der Ausblick, Budo zu vereinen (Vorsitz Shinichi Oimatsu)
3. Das Image des idealen Menschen (Vorsitz Kisshornaru Ueshiba)
Im Juni 1983 übernahm Hiroichi Tsujihara das Amt von Goro Yamanaka und damit die Verantwortung für das Forschungsprojekt "Budo-Charta". Später kam noch Hiroichi Tsuiihara zu diesem Aussehuss hinzu. Dieser Vorstand stimmte überein, dass der Inhalt der Charta eindeutige Aussagen enthalten und als zusammenfassende Richtlinie für seriöse Trainer dienen sollte. Im Oktober 1984 wurde der "Sonderausschuss zur Entwicklung der Budo-Charta" gebildet und Hiroichi Tsujihara wurde als Vorsitzender gewählt. Kihei Kijima übernahrn irn Juli 1986 das Amt. 
Dem Ausschuss gehörten an: Dr. Yuzo Kishino, Katsumi Nishimura, Goro Haga- wa und Shinji Nakabayashi.
Der Ausschuss traf sich sechzehnmal.
Um Übereinkommen über die Prinzipien von Budo zu erreichen, studierte der Ausschuss die Veröffentlichungen der Konferenzen der "Japanischen Budo-Akademie" und die anderer Symposien. Sie präsentierten dann der Japanischen Budo-Vereinigung sowie den Vertretern der do einen Vorschlag für eine Budo-Charta. Nach Revision wurde dann am 19. Januar 1987 durch das Vertrauensleute-Kornitee der Japanischen Budo-Vereinigung der vorliegenden Budo-Charia die Zustimmung erteilt.

3. WIDMUNG

Die Budo-Charta wurde in gemeinsamer Absicht durch die Mitgliedsverbände der Japanischen Budo-Vereinigung geschaffen, urn zu einer angemessenen Entwicklung des Budo zu ermutigen. Jeder der do hat die Budo-Charta bestätigt und wird diese Richtlinien subjektiv, gernäß seinen eigenen Notwendigkeiten, zur Anwendung bringen.

ANMERKUNGEN:
1. Das chinesische Schriftzeichen (kanii) für jutsu besteht aus den Zeichen:
"gyo" (Straße oder Weg) und
"shutsu' (am Stamm festhalten).
Jutsu ist die Weisung zu einem Weg, dem die Menschen lange folgen. Als eine Deutung bedeutet jutsu die Methode oder den Weg, dem die Menschen seit alter Zeit folgten, sinngemäß: ein traditioneller Weg. Jutsu hat die folgenden Bedeutungen:
1. Kunst, Fähigkeit
2. traditionelle Disziplin
3. unterrichten oder lehren, wie man es selbst erfahren hat.
2. Das Schriftzeichen (kanii) für do (oder michi) ist zusammengesetzt aus den Zeichen
"shinnyu" (Fußbewegung) und "shu" (Kopf).
Der Kopf zeigt in die Richtung, in die zu gehen man beabsichtigt. Es sollte der Weg oder Pfad sein, den zu gehen man in der Lage ist. Das Schriftzeichen do bedeutet
1. Denkweise
2. Disziplin
3. die Methode, der man folgen muss. 

Es unterzeichneten die Ausschuss-Mitglieder. Übersetzung: F. Hoff, Hamburg 1997

Sei so stark wie ein Tiger!!!

Wenn Kinder in Situationen geraten, die sie nicht kennen oder einschätzen können, bekommen sie Angst. Damit sie lernen, damit umzugehen und Tätlichkeiten möglichst zu vermeiden, müssen sie ihr Selbstbewusstsein ausbilden. Besonders die Körpersprache sei in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Der dies sagt, weiß, wovon er redet: In der Kampfsportschule für Selbstverteidigung und Kampfkunst am Lohmarkt 2 in Nordhausen zeigt Thomas Köhler und seine Trainer in speziellen Kursen schon kleinen Kindern, worauf es ankommt.

Ich will keine Schläger ausbilden, sondern sicheres und selbstbewusstes Auftreten vermitteln.

Thomas Köhler

Das Schlimmste, was aus seiner Sicht passieren könne, sei, wenn jemand das bei ihm Gelernte dazu nutze, einem anderen Gewalt anzutun. Aber der erfahrene Sportler will vor allem verhindern, dass Kinder zu Opfern werden. „Viele schwierige Situationen lassen sich schon durch die äußerliche Haltung entschärfen", sagt er. Falls das nicht funktioniere, müssten die Angegriffenen allerdings auch in der Lage sein, sich zu verteidigen. Aggressionen entstünden oft durch Unsicherheit: „Wenn nicht weiß, ob er etwas kann, muss sich dann etwas beweisen - und sei es durch eine körperliche Auseinandersetzung."

„Die Kinder lernen unheimlich schnell“

Neben einem Seminar für Sechs- bis Zehnjährige, in dem das Auftreten und der Umgang in Konfliktsituationen trainiert wird, bietet Köhler und seine Trainer daher auch Kurse für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen an. „Wir arbeiten mit drei Säulen", erläutert der 44-Jährige. Die erste Säule sei die Stärkung der Selbstbehauptung und die Kontrolle von Situationen. Die zweite Säule sei das praktische Lernen von Techniken der Selbstverteidigung. Hier sei alles der Prämisse unterstellt, dass Kampfkunst eine hohe Verantwortung bedeute. Und die dritte Säule sei das Erlernen von Ju-Jutsu (Selbstverteidigung). „Das hat nichts mit den schönen Filmen zu tun, in denen lustige Kämpfer durch die Luft fliegen", erklärt Köhler.

Vielmehr gehe es hier um Disziplin, darum, den eigenen Willen zu entwickeln, Ordnung sowie die Fähigkeit, „an etwas dran zu bleiben, auch wenn es schwierig wird". Unsere Trainer arbeiten mit Bildern, die in den Köpfen der Kinder Assoziationen wecken: „Wenn ich sage: ,Steh mal selbstbewusst da', kann niemand etwas damit anfangen. Wenn ich aber sage: ,Sei so stark wie ein Tiger', klappt das viel schneller", erläutert Köhler.

Die Schulungen können sehr früh beginnen. „Es gibt eine Vorbereitungsgruppe für viereinhalb bis sechs Jahre alte Kinder", so Köhler. In diesem Alter gehe es zunächst um motorische Fähigkeiten und das spielerische Lernen von Grundbegriffen: „Wo sind links und rechts? Wie funktionieren eigentlich meine Füße?" Was Jugendlichen und Erwachsenen selbstverständlich ist, muss in dieser Altersklasse erst vermittelt werden. Aber:

Die Kinder lernen unheimlich schnell, und es macht mir viel Spaß.

Thomas Köhler

Positive Entwicklungen sind Köhlers größte Belohnung

Von vier bis sechs Jahren üben die Kinder in der „Turtle-Gruppe“, von sechs bis zwölf Jahren üben die Kinder in der „Tiger"- ab zwölf Jahren in der „Dragon-Gruppe". Die Schwerpunkte ändern sich; der Schwierigkeitsgrad steigt. Wer in die Kampfsportschule am Lohmarkt 2 kommt, beginnt zunächst mit einem 2-wöchigen kostenlosen Probetraining. „Dabei geht es zum einen darum festzustellen, ob das Training dem Schüler liegt", sagt Thomas Köhler. Gleichzeitig sei es aber auch eine Sicherheitskontrolle für die Trainer an der Schule: „Wenn wir den Eindruck haben, dass das Kind mit der falschen Einstellung an die Sache herangeht, nehmen wir Abstand von weiterem Unterricht."

Eine große Belohnung sei es, so Köhler, wenn bei den jungen Schülern positive Entwicklungen sichtbar werden. Die Kinder kämen zwei Mal in der Woche zum Training. „Und sie kommen regelmäßig, nicht nach Lust und Laune", lobt der 44-Jährige.